20 Jahre Feuerwehr Thalburg

16.06.2007

Am 16. Juni 1987 wurde die Feuerwehr Thalburg gegründet, es gibt also ein Jubiläum zu feiern! In den vergangenen zwanzig Jahren ist kaum ein Tag vergangen, an dem ich mich nicht mit den Einsatzfahrzeugen, Konzepten und Hintergründen meiner fiktiven Feuerwehr beschäftigt habe. Ursprünglich ging es nur darum, meiner Modellsammlung einen organisatorischen Rahmen zu geben. Was aus dieser Idee geworden ist, hätte ich selbst niemals gedacht. Vor diesem Hintergrund soll der 16. Juni 2007 Anlass sein, um auf die vergangenen Jahre zurückzublicken und die Entwicklung der Feuerwehr Thalburg noch einmal Revue passieren zu lassen. Der folgende Text ist - wenn auch nicht ganz ernst gemeint - demnach so etwas wie eine "Homestory". Ich habe mir erlaubt, ihn aus einer recht persönlichen Sicht zu schreiben. Vielleicht wird der eine oder andere Hobbykamerad auch Parallelen zum eigenen Werdegang finden? Die Bildqualität ist leider nicht immer so, wie es wünschenswert wäre - aus den Anfangsjahren der Feuerwehr Thalburg ist nur leider kein anderes Material mehr vorhanden!

Wie alles begann…
Schon als Kind war ich - wohl so wie alle Kinder - von den Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr ganz besonders fasziniert. Dass schon ein Großteil der Metall-Spielzeugautos von Siku, Corgi und Matchbox rot lackiert und mit einem Blaulicht ausgestattet war, versteht sich von selbst. Irgendwann bekam ich dann ein Löschfahrzeug aus Kunststoff geschenkt: Wenn ich mich richtig entsinne, handelte es sich um das Wiking-Modell Nr. 610, ein LF 16 auf einem Magirus-Deutz-Fahrgestell. Nach kurzer Zeit besaß ich bereits eine recht ansehnliche Sammlung dieser Wiking-Modelle, und etwa im Alter von acht Jahren sind auch gleich die ersten Umbauten entstanden. Lackiert habe ich die Modelle damals mit einem Borstenpinsel aus dem Schulmalkasten, und teilweise habe ich sogar "Deckweiß" aus der Tube verwendet. In den folgenden Jahren habe ich Modelle stets nach konkreten Vorbildern gebaut. Mit einem Wiking-Modell fing alles an! So entstanden Nachbauten von Einsatzfahrzeugen aus Frankfurt am Main, Köln, Duisburg, Essen und vor allem natürlich meinem Wohnort Mülheim an der Ruhr. Wirklich kreativ konnte man sich dabei allerdings nicht betätigen. Wie die Modelle aussehen sollten, stand letztlich immer schon fest. Zudem war die Sammlung meiner Umbauten mehr oder weniger bunt zusammen gewürfelt. Fahrzeuge in den unterschiedlichsten Designs standen völlig zusammenhanglos in der Vitrine. Das gefiel mir nicht.

Umbau aus Kinderhand und ein neueres Modell im VergleichGenau zu dieser Zeit erschien im Blaulicht-Fahrzeugmagazin (BFM) der erste Beitrag über eine "Feuerwehr Nordstadt" [1]. Es ist wohl nicht übertrieben wenn man schreibt, dass mit diesem Artikel eine ganz neue Modellbau-Epoche eingeleitet wurde. Wie vermutlich jeder andere Leser auch war ich geradezu elektrisiert von den Modellen des Jürgen Mischur aus Frankfurt am Main. Eine solche Detaillierung, so sauber gearbeitete Modelle hatte man bis dahin noch nicht gesehen. Faszinierend war aber nicht nur die handwerkliche Präzision, sondern auch die Idee einer fiktiven Modellfeuerwehr. Nachdem ich im Schulatlas vergeblich nach einer Millionenstadt mit dem Namen "Nordstadt" gesucht hatte, musste es wohl ein Phantasieprodukt sein. Und vom Lesen des Beitrags "Neues aus Nordstadt" an stand für mich fest: Ich wollte unbedingt auch solch eine Modellfeuerwehr aufbauen!

Blaulicht-Fahrzeugmagazin 1/1987Ab Januar Ab Januar 1987 wurde die Wartezeit auf das jeweils neue Blaulicht-Fahrzeugmagazin jedenfalls immer länger. Wenn ich aus der Schule nach Hause kam, wurde sofort der Briefkasten inspiziert. Wenn darin (endlich!) ein brauner DIN A 4-Umschlag mit einem Aufdruck des Fiedler-Verlags lag, waren die folgenden Tage gerettet: Dann gab es einen neuen Artikel über Nordstädter Einsatzfahrzeuge - und ich wurde zu einem richtigen "Nordstadt-Fan". Jeder Beitrag wurde geradezu verschlungen, wieder und wieder erneut gelesen, fast schon auswendig gelernt. Wirklich: Diese Feuerwehr Nordstadt hatte es mir angetan, sie gab mir den Anstoß zur Gründung "meiner" Modellfeuerwehr.

Gründung der Feuerwehr Thalburg: 16.06.1987Nach vielen Vorüberlegungen stand am 16. Juni 1987 der Name fest. Die Stadt, in der ich meine Modellfeuerwehr ansiedeln würde, sollte THALBURG heißen. Dafür gab es verschiedene Gründe: Ich habe eine besonders schöne Zeit meines Lebens in einem kleinen TAL in Baden-Württemberg verbracht. Und die Feuerwehr HamBURG gefiel mir aus verschiedenen Gründen schon immer besonders gut. Alternativ in Frage kommende Namen habe ich später den fiktiven Nachbarstädten oder Stadtteilen von Thalburg gegeben, so z. B. Marienfelde, Kieselstadt, Bärenwald, Meyndorf und Schwanenburg. Letztere gibt es übrigens wirklich: Sie steht in Kleve am Niederrhein, meiner Geburtsstadt!

Stadtplan, Entwurf von 1987Noch am gleichen Tag wurde auch das erste Thalburger Einsatzfahrzeug in Dienst gestellt: Eine DLK 23/12 von Magirus auf einem Mercedes-Benz-Fahrgestell vom Typ 1422 F. Täglich folgten von nun an weitere "Thalburger": Wochen, sogar mehrere Monate verbrachte ich mit intensiven Bastelphasen. Natürlich blieb zwischendurch reichlich Kontakt für den Freundeskreis - immerhin war ein großer Teil dieses Kreises auch selbst vom "Modellfeuerwehrvirus" infiziert. Während die Symptome der Infektion bei den meisten anderen Menschen in meinem Umfeld allerdings nach einiger Zeit wieder abgeklungen waren, wurden sie bei mir eher noch stärker.

Löschzug der Feuerwache 3, um 1980 Löschzug der Feuerwache 3, um 1980 LZ 1 mit Leiterbühne von Metz LZ 1 mit Leiterbühne von Metz

In jeder freien Minute entstanden von nun an Fahrzeuglisten, Skizzen von neuen Modellen, Stadtpläne, Entwürfe für eine Alarm- und Ausrückeordnung, Organigramme, Embleme und Abzeichen. Das Stadtwappen habe ich wohl in der Schule entworfen: Es zeigt übrigens nicht nur die historische Thalburg, sondern vor allem auch ein stilisiertes "H" für meinen eigenen Vornamen… Dass die Wappen der Thalburger Nachbarstädte und das Logo des Sagalandes natürlich ebenfalls voller Symbolik stecken, versteht sich von selbst!

Schlechte Bildqualität: Älterer GW-Öl Schlechte Bildqualität: Älterer GW-Öl Vergangene Zeiten: Ein lackiertes Modell! Vergangene Zeiten: Ein lackiertes Modell!

Neues Logo der Feuerwehr Thalburg ab 1991Wenn der Bastelvorrat erschöpft war und bestimmte Basismodelle benötigt wurden, gab es hin- und wieder Gelegenheit zu körperlicher Betätigung. Trotz der intensiven Arbeit am Basteltisch wurde ich auf diese Weise kein "Stubenhocker": Mit dem Fahrrad bin ich tagelang kreuz und quer durch das Ruhrgebiet gefahren, nur um dieses oder jenes Modell zu erstehen. Wenn es das gesuchte Objekt der Begierde in Mülheim und Oberhausen nun einmal nicht gab - was blieb dann anderes übrig als noch nach Essen und Duisburg zu radeln? Nebenbei bemerkt: Es ist schon erschreckend, wie viele der früher zahlreich vorhandenen Modellbaufachgeschäfte nach einigen Jahren aufgegeben haben. Ein Konkurs oder eine Geschäftsaufgabe aus anderen Gründen folgte plötzlich der anderen… Dies mit anzusehen, war immer ein Trauerspiel - auch wenn ich mich jedes mal neu mit erheblich reduzierten Preiser-Bausätzen eindecken konnte!

Thalburg und Nordstadt
Vier Jahre hat es gedauert, bis ich mich "getraut" habe, mit Thalburger Basteleien einen Messestand des Fiedler-Verlags zu besuchen. Dort wurden zwei Modelle fotografiert - und einige Zeit später erschien der erste Thalburg-Artikel im Blaulicht-Fahrzeugmagazin [2]. Wie habe ich mich damals gefreut!

Geht fast jeder Bastelarbeit voraus: Das Zeichnen einer Bauskizze! Geht fast jeder Bastelarbeit voraus: Das Zeichnen einer Bauskizze! Rettungsdienst in Thalburg, Ende der 1980er Jahre Rettungsdienst in Thalburg, Ende der 1980er Jahre


Modelle à la Nordstadt: Artikel im BFM 1991Zu Tibor Roka, dem damaligen Chefredakteuer des BFM, entwickelte sich ein sehr angenehmer Kontakt. Er sorgte auch dafür, dass es einige Zeit später das erste Treffen mit Jürgen Mischur gegeben hat. Anlässlich einer Modellbauausstellung in Fulda sollten Thalburger und Nordstädter Fahrzeuge gezeigt werden. Kaum hatte ich meinen Führerschein, fuhr ich deshalb zunächst nach Frankfurt am Main. Die erste längere Autofahrt führte mich zum Erfinder des unlackierten Modellbaus! Von dort aus ging es gemeinsam weiter nach Fulda.


Letztes BFM: Heft 7/1993Von Anfang an hatten sich zwei Gleichgesinnte gefunden (eigentlich waren es sogar drei: In Fulda kam Friedrich Karl Viering noch dazu). Trotz eines nicht ganz unwesentlichen Altersunterschiedes (oder vielleicht auch gerade deshalb?) entwickelte sich eine enge Freundschaft. Viele, viele weitere Treffen folgten - mitunter hätte man fast schon eine telefonische Direktleitung zwischen den "Branddirektionen" installieren können: Die Feuerwehren aus Thalburg und Nordstadt arbeiten seit dieser Zeit jedenfalls eng und partnerschaftlich zusammen! Auch im Blaulicht-Fahrzeugmagazin wurde das sichtbar: Löschzug mit Erprobungsfahrzeugen, um 1992Beiträge über die beiden befreundeten Feuerwehren wechselten von nun an einander ab. So hätte es zweifellos auch weitergehen können, wäre nicht die mir bis heute unverständliche Entscheidung getroffen worden, das Erscheinen des Blaulicht-Fahrzeugmagazins einzustellen. Das Vorwort im letzten Heft [3] hielt ich zunächst für einen Scherz! Dennoch verschwand das BFM sang- und klanglos in der Versenkung. Immer wieder gab es zwar Gerüchte darüber, dass es wieder aufgelegt würde - daraus geworden ist bedauerlicherweise jedoch nichts.

Notfallinformation für die Thalburger Bevölkerung (1994)Weil fortan ein geeignetes Printmedium fehlte, musste ich mir anders helfen: Bis zum zehnjährigen Jubiläum der Feuerwehr Thalburg 1997 hatte ich eine 120-seitige Festschrift geschrieben, in der die Entwicklung des Fahrzeugparks ausführlich dokumentiert worden ist [4]. Diese Broschüre wurde aber niemals gedruckt, sondern lediglich in einer Miniauflage kopiert und gebunden. Ähnlich verhielt es sich mit einer "Informationsbroschüre für die Thalburger Bevölkerung" [5]. Darin gab die Feuerwehr Thalburg konkrete Tipps und Hinweise für (reale) Notfallsituationen.





Die Feuerwehr Thalburg ist online
Christian Noetzel, Webmaster der Thalburg-Homepage!Meinen lieben Freund und Kollegen Christian Noetzel ist es zu verdanken, dass die Feuerwehr Thalburg seit 2001 auch mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten ist [6]. Er musste mich - um ganz ehrlich zu sein - fast ein wenig drängen: Besonders groß war mein Interesse am World-Wide-Web anfangs nicht! Letztlich hat er mich dann doch überzeugt. Er fotografierte alle Modelle (ich hatte damals noch nicht einmal eine eigene Digitalkamera), erstellte das Webdesign, layoutete die Homepage und kümmerte sich um alles Technische. Somit ist Christian Noetzel der Hauptverantwortliche für meine (oder besser gesagt: unsere!) Homepage - bis heute liefere ich immer nur die Thalburger Einsatzfahrzeuge und natürlich auch die Texte. Um es daher noch einmal zu betonen: Ohne Christian Noetzels großartiges Engagement wäre die Feuerwehr Thalburg niemals das geworden, was sie heute ist. Nach dem Ende des Blaulicht-Fahrzeugmagazins hätte die Feuerwehr Thalburg schon nach kurzer Zeit in Vergessenheit geraten können - wenn Christian nicht für die Internetpräsenz gesorgt hätte!

Internet-Tipp des Feuerwehr-Magazins  (2003)Übrigens veröffentlichte das Feuerwehr-Magazin schon nach kurzer Zeit einen Internet-Tipp und empfahl: "Man sollte sich die Homepage der Feuerwehr Thalburg unbedingt anschauen - und staunen" [7]. Das taten dann auch einige - und es wurden im Laufe der Zeit immer mehr. An Spitzentagen zählt die Thalburg-Homepage etwa 1000 Besucher; 400 bis 600 Besucher sind es durchschnittlich. Insgesamt haben die Homepage inzwischen über 1 Million Gäste besucht!

Durch die Homepage steigerte sich auch der Bekanntheitsgrad der Feuerwehr Thalburg enorm - mit teilweise recht erheiternden Auswirkungen. Plötzlich landeten bei mir E-Mails mit (offensichtlich ernst gemeinten!) Bewerbungsschreiben für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst. Ein Student recherchierte "wissenschaftlich" nach Informationen zu Infektionstransportwagen bei deutschen Rettungsdiensten und bat um Auskunft über das bei der Feuerwehr Thalburg eingesetzte Fahrzeug. Ein Beamter, der bei einer größeren Berufsfeuerwehr in Nordrhein-Westfalen wohl mit den Planungen für einen "Abrollbehälter-Großbrand" beschäftigt war, bat um Hinweise zur Ausstattung des entsprechenden Thalburger Modells. Der Psychosoziale Notfalldienst (PND) in Thalburg wurde zum Vorbild für ein ähnliches Projekt in der Realität, und in einer offiziellen Auflistung der Notfallseelsorge- und Kriseninterventionsdienste in Deutschland wurde der PND aus Thalburg (wenn auch mit einem Augenzwinkern) ebenfalls aufgenommen [8]. Anfragen danach, wann denn der nächste "Tag der offenen Tür" anstehen würde, waren vor dem Hintergrund solcher Erfahrungen schon nichts Ungewöhnliches mehr!

Längst hatte ich all diese Anfragen mit einem Briefkopf der Thalburger Stadtverwaltung beantwortet: Je nachdem, worum es ging, antwortete ein gewisser "Max Müller" von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, "Hugo Schulze" von der Abteilung Technik oder auch die Leitung der Feuerwehr persönlich…

Seenotrettungsboot Theo Lender (2005)

2003 erschien ein Artikel über die Feuerwehr Thalburg in der Feuerwehr-Fachzeitschrift FFZ [9], ein weiterer Beitrag wurde im Einsatzfahrzeug-Magazin auf der Homepage von Reinhard Merlau veröffentlicht [10]. In der "Modellwerft" wurde das Thalburger Seenotrettungsboot "Theo Lender" vorgestellt [11]. Häufige entsprechende Anfragen brachten mich in dieser Zeit auch auf die Idee, Ärmelabzeichen der Feuerwehr Thalburg herstellen zu lassen. Als Gag, wohlgemerkt! Aber es gab inzwischen offenbar einen Kreis von Freunden und Förderern der Feuerwehr Thalburg - jedenfalls waren die Abzeichen innerhalb weniger Tage zum Selbstkostenpreis ausverkauft. Aktenordner mit ausgedruckten E-Mails an die Branddirektion füllten sich immer schneller. Andere Bastler fragten nach der Herkunft von Einzelteilen, nach Bezugsquellen bestimmter Modelle, nach Modellbautechniken und Basteltipps.

Ärmelabzeichen für die Freunde der Feuerwehr Thalburg!Auf diese Weise haben sich inzwischen jedenfalls viele enge oder sogar freundschaftliche Kontakte zu anderen Modellbauern ergeben, für die ich dankbar bin und über die ich mich sehr freue: Mit vielen Gleichgesinnten findet schon seit Jahren ein enger Erfahrungs- und Teileaustausch statt!

In diesem Zusammenhang ist schließlich auch das Diskussionsforum für Feuerwehrmodellbauer [12] zu sehen, das in Absprache mit Martin Höpfner aus Marburg erst vor kurzem eingerichtet worden ist. Über 100 Bastler sind dort inzwischen registriert, und die "Community" wächst täglich weiter!

Phantasie und Wirklichkeit
Mitunter war Fiktion und Wirklichkeit, wenn es um die Feuerwehr Thalburg ging, nicht ganz klar abzugrenzen. So habe ich nach dem 11. September 2001 einen Text verfasst, in dem es eigentlich nur um die Weiterentwicklung des Katatrophenschutzes in Thalburg ging [13]. Dieser Beitrag stieß witzigerweise jedoch ausgerechnet in einem Internetforum für reale Feuerwehren auf durchaus positive Resonanz und wurde dort lebhaft diskutiert [14].

Kurze Zeit später stritten zwei Abteilungsleiter realer Feuerwehren im Gästebuch meiner Homepage darüber, ob ein neues Thalburger TLF 20/40 von den Achslasten und seinem Gesamtgewicht her denn nur für den Geländeeinsatz bei Waldbränden tauglich wäre oder nicht...

Vorbild oder Modell: ELW 3 als Doppelstockbus!Und schließlich gab es da noch den Einsatzleitwagen in einem Doppelstockbus [15]. Die Feuerwehr-Fachzeitschrift FFZ schrieb dazu immerhin: "Manchmal könnte man gar glauben, die Phantasie des Modellbauers habe die Realität beeinflusst: Im Jahr 2001 beispielsweise stellte Karutz bei seiner Modellfeuerwehr einen Doppelstockbus […] in Dienst […]. Und heute? Nun - siehe hierzu die jüngste Beschaffung der BF Karlsruhe!" [16]. Tatsache ist, dass es den Thalburger Doppelstockbus Jahre vor dem Karlsruher Fahrzeug gegeben hat. Von einem Plagiat würde ich dennoch niemals sprechen: Es ist ja auch völlig legitim, dass mehrere Menschen auf die gleichen (guten) Ideen kommen!

Das Thalburg-Buch erscheint (2006)Der bisherige "Höhepunkt" der "Thalburg-Story" dürfte die Veröffentlichung des Thalburg-Buchs 2006 gewesen sein [17]. Dabei schien dieses Projekt im Vorfeld mehrfach zum Scheitern verurteilt. Zunächst fand sich monatelang kein Verlag. Die jeweiligen Lektorate lehnten entweder wortkarg ab - oder reagierten auf entsprechende Anfragen überhaupt nicht. Glücklicherweise fand ich dann bei Rainer Galunder vom Martina-Galunder-Verlag aus Nümbrecht ein "offenes Ohr" - und das Buch konnte doch noch erscheinen! Die zweijährige Arbeit am Manuskript und die tagelangen Arbeiten in einem Essener Fotostudio waren also doch nicht umsonst.

Und der Aufwand scheint sich gelohnt zu haben, wenn man nach den Verkaufszahlen, dem Leserecho und auch den Rezensionen in der Fachpresse urteilen möchte. So schrieb das 112-Magazin: "[…] Zudem sind die Modelle von absolut hervorragender modellbauerischer Qualität, bis ins letzte Detail sauber gearbeitet und exakt beschriftet" […] Dahinter [hinter der Feuerwehr Thalburg] steckt […] ein organisatorischer Rahmen mit einer Alarm- und Ausrückeordnung […] sowie mit einer Organisationsstruktur, die einer echten Feuerwehr zur Ehre gereichen würde" [18]. Im Feuerwehr-Magazin wurde das Buch als "Augenweide" bezeichnet und immerhin mit "5 Sternen" bewertet [19]. In den THW-Fahrzeug-News war die Rede von "brilliant gebauten Modellen" [20], und Reinhard Merlau, Inhaber der Fa. RMM, verkündete auf seiner Homepage, das Buch aus dem Martina-Galunder-Verlag sei "ein Muss für jeden Modellbauer. Nur selten finde man so gut gebaute und mit viel einfallsreichem Zubehör gestaltete Modellfahrzeuge wie in diesem Werk…" [21].

Ich kann mich gut erinnern, wie erleichtert ich gewesen bin, als die Resonanz auf das Buch so überaus (und fast durchweg) positiv ausfiel. Das Buch hatte mir wochenlang kopfzerbrechen und schlaflose Nächte bereitet. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, durch die Arbeit am Manuskript und am Layout um Jahre gealtert zu sein!

Insgesamt fand die Feuerwehr Thalburg - wohl auch durch das Buch - immer mehr Beachtung, teilweise war und ist mir das allerdings unangenehm. In verschiedenen Internetforen wurden mir beispielsweise diverse mehr oder weniger ernst gemeinte "Ehrentitel" verliehen [22]. Ob so etwas sein muss, weiß ich nicht so recht.

Schattenseiten
Im Zusammenhang mit meinem Hobby hat es in den vergangenen Jahren ohnehin nicht immer nur schöne und erfreuliche Ereignisse gegeben. Ein Rückblick auf die vergangenen zwanzig Jahre wäre insofern unvollständig, wenn nicht auch traurige und ärgerliche Erfahrungen angesprochen würden.

So habe ich im Laufe der Zeit Unsummen für Umbauten ausgegeben, die letztlich "misslungen" sind. Sägeschnitte gelingen längst nicht immer beim ersten mal, schon gar nicht, wenn die entsprechende Übung fehlt. Vor allem in den Anfangsjahren der Feuerwehr Thalburg musste ich viel "Lehrgeld" bezahlen - nicht auszudenken, was ich mir dafür alles hätte leisten können!

Mit meinem Hobby bin ich auch nicht immer auf Verständnis gestoßen: Bei vielen Jugendlichen gilt es zum Beispiel eher als "uncool", wenn jemand aus irgendwelchen Kunststoffteilen Feuerwehrmodelle bastelt. Nicht selten werden die in liebvoller Handarbeit hergestellten Modelle dann als "Spielzeugautos" abgetan - und das kränkt schon ein wenig…

Viele Bastelkameraden, mit denen ich mich früher austauschen konnte, haben ihr Hobby inzwischen aufgegeben. Modelle wurden in Internetauktionshäusern versteigert, auf Trödelmärkten verramscht oder im Keller eingemottet. "Keine Zeit", "kein Geld" oder eben auch "keine Lust mehr" sind die jeweiligen Begründungen - und so nachvollziehbar sie sind, so traurig sind sie auch!

Ein lieber Bastelkollege, der sein Hobby sicher gerne weitergeführt hätte, konnte dies nicht. Friedrich-Karl Viering ("Fido"), Bastler der fiktiven Modellfeuerwehr Steinheim, starb nach einer schweren Krankheit am 25. August 2003.

Kann man so sorgfältig feilen? Ja!Betroffen gemacht hat mich vor einiger Zeit auch der Vorwurf, ich würde die Freunde der Feuerwehr Thalburg täuschen. In Wirklichkeit seien die Modelle lackiert, denn "so sorgfältig kann man doch gar nicht feilen". Dies meinte jedenfalls ein "Experte" in einem Internetforum, in dem ebenfalls über die Feuerwehr Thalburg diskutiert worden ist [23]. Dort mutmaßte man auch, die Fotos der Modelle wären mit einem Bildbearbeitungsprogramm retuschiert worden, damit Sägeschnitte nicht erkennbar sind. Ich habe auf diese Vorwürfe reagiert, indem ich beim Bau des nächsten Modells Fotos während der Bauphase gemacht habe. Auf diesen Bildern waren die zugeschnittenen Einzelteile für den neuen Intensivtransportwagen erkennbar; und die Zweifel hätten eigentlich schon dadurch ausgeräumt sein müssen. Sicherheitshalber habe ich wenig später auch die Gelegenheit genutzt, um einige Modelle der Feuerwehr Thalburg im Modellbaustudio am Kaiserberg auszustellen. Dort konnte sich jeder Besucher davon überzeugen, dass die Karosserieteile tatsächlich nicht lackiert sind.

Schließlich werde ich - wahrscheinlich ebenso wie andere Bastler von fiktiven Modellfeuerwehren - gelegentlich mit dem Vorwurf der Realitätsflucht konfrontiert. "Jemand, der sich so intensiv mit einer Phantasiewelt auseinandersetzt, muss in der Realität wohl ziemliche Schwierigkeiten haben" heißt es dann. Das ist natürlich Unsinn!

Einigen Menschen fehlt vermutlich einfach die Phantasie, um das Projekt einer fiktiven Modellfeuerwehr verstehen zu können. Der Schriftsteller Gabriel Laub hat in diesem Sinne wohl einmal gesagt: "Phantasie ist etwas, was sich manche Leute gar nicht vorstellen können" [24]. Das ist sehr treffend formuliert!

Ausblick: Was bringt die Zukunft?
In einem Scherz am 1. April 2007 habe ich in einem Internetforum folgenden Text geschrieben: "Liebe Freunde, zwanzig Jahre lang hat mich die Feuerwehr Thalburg in meinem Leben begleitet. Sie war für mich weit mehr als ein Hobby. Ich denke, dass ist auf meiner Homepage und im Thalburg-Buch ja auch deutlich geworden.

Meine private und berufliche Situation lässt mir aber immer weniger Zeit. Es gelingt mir einfach nicht mehr, den Fahrzeugpark der Feuerwehr Thalburg so wie früher regelmäßig zu aktualisieren und "auf dem Laufenden" zu halten. In den kommenden Jahren wird sich dies wohl auch nicht ändern. Ich habe mich deshalb dazu entschlossen, mein Hobby aufzugeben. Es wird keine neuen Thalburger Einsatzfahrzeuge mehr geben. Für die freundliche Unterstützung von Euch allen in den vergangenen Jahren möchte ich mich sehr herzlich bedanken. Wir hatten eine tolle Zeit. Seid bitte nicht traurig, aber man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist."

Unmittelbar nach der Veröffentlichung dieses Scherzes habe ich natürlich für Aufklärung gesorgt. Und auch heute kann ich es nur noch einmal betonen: Die Feuerwehr Thalburg ist ein wichtiger Teil meines Lebens, den ich ganz sicher nicht ohne weiteres aufgeben werde. Allerdings ist es schon so, dass die Zukunftsperspektiven für ein intensiv betriebenes Hobby bei einer halbwegs realistischen Einschätzung keineswegs rosig sind.

Im Endeffekt geht es mir nicht anders als den Kollegen, die ihr Hobby bereits aufgegeben haben. Die Zeit wird irgendwie doch immer knapper. Auch verlagern sich mit der Zeit einige Prioritäten. Vom Wunsch, einen Teil der Thalburger Altstadt in einem größeren Diorama nachzubauen habe ich mich deshalb schon vor einiger Zeit verabschiedet. In Zukunft wird es wahrscheinlich auch keine Modellserien mehr geben, d. h. von baugleichen Fahrzeugen wird voraussichtlich nur noch eines gebastelt.

Wasserunfallwagen WUW (1970)Ob und wie sich andere Projekte noch verwirklichen lassen, bleibt generell abzuwarten. Interessant wären - neben den turnusmäßigen Ersatzbeschaffungen - sicherlich auch die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr Thalburg aus den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Reizen würden mich außerdem die Fahrzeuge des Technischen Hilfswerkes und der Hilfsorganisationen in Thalburg. Ob ich irgendwann einmal dazu komme?

THW in Thalburg: Einige Modelle gibt es schon!Verbindlich geplant und - gemeinsam mit Jürgen Mischur - auch schon in Arbeit ist derzeit jedenfalls ein zweites Modellbaubuch. Darin werden nicht nur neue Fahrzeuge der Feuerwehr Thalburg, sondern auch die Modelle der Feuerwehr Nordstadt vorgestellt. Enthalten sein werden auch Basteltipps und ausführliche Hinweise zur Feil- und Sägetechnik, die einige Leser im ersten Thalburg-Buch vermisst haben. Ein Erscheinungstermin dieses Buches ist aber noch nicht absehbar: Es gilt, wie so oft: "Gut Ding will Weile haben!"

Im letzten Update wurde der Teleskopmast gezeigt Im letzten Update wurde der Teleskopmast gezeigt Leider noch nicht fertig: Der neue Kran! Leider noch nicht fertig: Der neue Kran!

Nun freue ich mich auf die Thalburger Zukunft: Derzeit wird beispielsweise eine neue Generation von Hilfeleistungslöschfahrzeugen geplant, um das bisherige Löschzug- durch ein Staffelkonzept abzulösen. Unmittelbar bevor steht die Indienststellung neuer Einsatzleit- und Kommandowagen. Im Bereich der Sonderfahrzeuge steht demnächst noch die Beschaffung eines zusätzlichen Rüstwagens an; zudem müssen einige der älteren Wechselladerfahrzeuge ersetzt werden…

Es geht weiter!




Anmerkungen
[1] Mischur J (1987) Neues aus Nordstadt. In: Blaulicht-Fahrzeugmagazin 1, S. 24-25.
[2] Karutz H (1991) Modelle à la Nordstadt. In: Blaulicht-Fahrzeugmagazin 4, S. 29.
[3] Roka T (1993) Vorwort. In: Blaulicht-Fahrzeugmagazin 7, S. 4.
[4] Karutz H (1997) Die Berufsfeuerwehr Thalburg an der Ohm 1987 bis 1997. Zwischen Traum und Realität: Chronik zum 10jährigen Bestehen.
[5] Berufsfeuerwehr der Stadt Thalburg (Hg.) (1994) Notfallinformationen. Verhalten bei Brand- und Unglücksfällen.
[6] www.thalburg.de
[7] Redaktion Feuerwehr-Magazin (2003) Tipp des Monats: Homepage der Feuerwehr Thalburg an der Ohm. In: Feuerwehr-Magazin 5, S. 40.
[8] www.notfallseelsorge.de/fahrzbilder.htm
[9] Karutz H (2003) Thalburg an der Ohm: Eine Feuerwehr im Modell. In: Feuerwehr-Fachzeitschrift FFZ 12, S. 782-787.
[10] Karutz H (2003) Generationswechsel in Thalburg. In: Einsatzfahrzeug-Magazin 1, S. 52-53.
[11] Karutz H (2005) "Theo Lender" - ein Seenotrettungsboot in 1:87. In: Modellwerft 9, S.76-77.
[12] www.thalburgforum.de
[13] Brumm P et al. (2001) Katastrophe: Umkehr und Wendung? Stellungnahme der Feuerwehr Thal-burg zum 11. September 2001. Internes Diskussionspapier der Feuerwehr Thalburg.
[14] www.feuerwehr.de/forum
[15] Karutz H (2006) "So etwas gibt's doch gar nicht!" Ein Doppelstockbus als Einsatzleitwagen. In: MAZ 5, S. 31.
[16] Redaktion Feuerwehr-Fachzeitschrift (2006) Buchbesprechungen. In: Feuerwehr-Fachzeitschrift FFZ 6, S. 430.
[17] Karutz H (2006) Feuerwehr Thalburg - Einsatzfahrzeuge im Modell. Martina-Galunder-Verlag, Nümbrecht.
[18] Jendsch W (2006) Rezension "Feuerwehr Thalburg - Einsatzfahrzeuge im Modell". In: 112-Magazin 10,2006, S. 50.
[19] Redaktion Feuerwehr-Magazin (2006) Neue Bücher. In: Feuerwehr-Magazin 8, S. 23.
[20] Redaktion THW-Fahrzeug-News (2006) Buchtipp. In: THW-Fahrzeug-News 2, S. 29.
[21] Merlau R (2006) Rezension "Feuerwehr Thalburg - Einsatzfahrzeuge im Modell" auf www.merlau.de.
[22] www.bos-fahrzeuge.info, www.modellbau112.de: Unter anderem war dort die Rede von "Modellbaugott", Modellbau-Großmeister" und "Vorzeigemodellbauer".
[23] www.online-notruf.de
[24] Duden Bd. 11: Zitate und Redewendungen





Updateübersicht